Die Vorstellung, dass man sein Heim verteidigen müsse, ist eine archaische Vorstellung, die in letzter Zeit wieder viele Anhänger hat. Einerseits: stimmt ja, soll man, sagt das Gefühl. Nur in einer sicheren, westlichen Gesellschaft ist es an sich nicht dem Einzelnen überlassen, Gewalt anwenden zu müssen. Und jenseits aller Selbstverteidigungsfantasien, die grassieren, ist Wissen um Gefahren wichtiger als „Held spielen“. Trainer Andrea Micheli holt mit seinem Buch „Home Defense“ das Thema auf den Boden und gibt solide Tipps.

Da gehören markige Sprüche wohl dazu. Orwell erinnert daran, dass die Ordnung und Sicherheit von Menschen garantiert wird, die etwa bei der Polizei arbeiten und so mit verhindern, dass etwas passiert. Beziehungsweise, dass Laien mit Problemen konfrontiert werden, die sie prinzipiell immer überfordern. Gewalt bei einem Einbruch ist so eine Situation, die wir auch keinem wünschen.

Die eigenen vier Wände geben uns das Gefühl der Sicherheit. Jeder Einbruch ist eine massive Verletzung dieses Gefühls und hat verheerende Folgen. Auch die zeitweise generelle Zunahme von Einbrüchen im letzten Jahrzehnt wirkt sich bei den Menschen massiv aus. Micheli fängt daher mit einem Kapitel an, das sich mit den psychischen Problemen hinter „Home Defense“ auseinandersetzt.

Micheli hat eine sehr guten, deeskalierenden Zugang. So gibt es ein eigenes Kapitel, in dem erklärt wird, wie man sein Haus schützen kann, so dass es zu keinen bedrohlichen Situationen kommt. Das ist ideal: den Konflikt, den man nicht haben will, vermeiden. Und damit auch alle Gefahren, die damit kommen könnten.

Schusswaffe in der Heimverteidigung heißt, dass man auch wissen muss, wie sich das auswirkt. Die Steinwand einer Burg ist bremst den Schuss, bei der modernen Rigipswand fährt ein Projektil durch die Wohnung des Nachbarn. Die Waffe ist nicht immer die Lösung einer Gefährdung. Micheli zeigt die Wirkungen des Waffeneinsatzes im Gebäude. Und – besonders wichtig – auch die rechtlichen Hintergründe sind sehr gut erklärt.

In „Home Defense“ geht es um Pistole und Gewehr und wenn es zur Sache geht, zeigt Micheli die Besonderheiten des Waffeneinsatzes auf nächste Nähe und kürzeste Entfernung. Wir zeigen euch nur dieses Bild, den Rest gibt es im Buch.

Dazu gehören auch drastische Bilder von Situationen wie hier in einem Keller mit einem Angreifer mit Axt. Auch in den eigenen vier Wänden ist die Frage der Verhältnismäßigkeit bei der Selbstverteidigung nicht außer Kraft gesetzt. Das heißt, dass gerade der verantwortungsvolle Waffenbesitzer genau wissen muss, was er letztendlich tun darf – und vor allem: was nicht.

Verletzungen sind vorprogrammiert. Täter und Opfer brauchen Erste Hilfe. So informiert das Buch auch über die nötige Erste Hilfe für den Fall, dass etwas passiert und orientiert sich das an militärischer erster Hilfe: Trauma Erstversorgung um leben zu retten bis die Rettung da ist. Auch hier gilt, wie beim Schießen: Üben & Lernen ist das halbe Leben. Das Buch gibt gute Informationen, aber gewisse Sachen lernt man nur in professionellen Kursen und ernsthaften Trainern.

FAZIT: Ein spannendes Buch, das Grundlagen theoretisch vermittelt und zum Nachdenken über Gefahren anregt.

Home Defense: Grundlagen für den Schusswaffengebrauch im Einbruchsfall“ von Andrea Micheli, K-ISOM Verlag, Nürnberg 2018, 200 Seiten, Euro 24,90