Schnauze voll, Sachen packen, neues Leben anfangen. Wer hat sich das nicht schon mindestens einmal gedacht? Und einige haben als nächste die Fremdenlegion in die engere Wahl gezogen. Weg vom Bildschirm, neuer Namen. Ganz von vorne anfangen. Bei Stefan Müller – richtiger Namen – war es wohl auch so, auch wenn er seine Motive letztendlich nicht ganz frei gibt. Im Gegensatz zu vielen, die daran denken, ist er aufgebrochen und hat sich bei der Legion verpflichtet und seine fünf Jahre ehrenvoll abgedient. Als es ans Verlängern ging, hat er sich dann dafür entschieden, die Kurve zurück in Richtung neues Leben in Deutschland zu nehmen. In den Jahren bei der Legion hat er aber einiges erlebt und gesehen. Noch immer haftet der Eliteeinheit ein bisserl der Geruch von „fremde Menschen kämpfen hier für Frankreich und werden als erstes verheizt“ an. Müllers Bericht – extrem gut lesbar aufgeschrieben von Martin Specht – zeigt aber jenseits des Mythos eine andere Legion: eine moderne Truppe, die ihren Männer alles abverlangt, die Härte als Ritus zelebriert, Disziplin als Kit für Menschen aus aller Welt, die in der Legion als reine Männergesellschaft eine neue Heimat finden.

Stefan Müller berichtet von der Ausbildung und vom Innenleben der Legion, es ist ein genauer Blick, der mit leichter Distanz und Humor das Erlebte reflektiert. „Mythos Fremdenlegion“ liest sich genau wegen Müllers angenehmer Perspektive so gut: er schildert, aber weder verherrlicht er, noch putzt er sein Erlebtes runter.

Wer zur Legion geht, will ziemlich sicher auch in den Krieg. Afghanistan verpasst Stefan Müller, das französischen Engagement dort ist genau eine Runde vor ihm beendet. So wird Mali sein Krieg. Dass der Soldat die meiste Zeit seines Lebens vergeblich wartet, ist eine Weisheit, die auch dieses Buch gut beschreibt. Und Putzen, mit eigenem Besen. Spannend aber, dass „Mythos Fremdenlegion“ den Nerv der Zeit trifft: was sonst in militärischen Randgruppenverlagen erscheint, hat plötzlich den braven Econ Verlag als Heimat. Und das Buch hat es tatsächlich auf die Spiegel Bestsellerliste geschafft. Das hat es verdient, es ist ein tollen Buch, für das uns Stefan Müller bei seinem persönlichen Grenzgang an seine physischen und psychischen Grenzen begleitet. Er hat ihn mit Bravour gemeistert, zeigt sein Bericht. Große SPARTANAT Leseempfehlung! Ideal für die friedlichen Feiertage nach Weihnachten!

Mythos Fremdenlegion: Mein Einsatz in der härtesten Armee der Welt“ von Stefan Müller, Econ Verlag, 336 Seiten, Euro 18,– (Buch) und Euro 14,99 (Kindle)