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Jack Murphy ist ehemaliger US Special Forces Operator. Er hat sich den neue Trailer zum im Oktober 2019 erscheinenden „Call of Duty: Modern Warfare“ angeschaut. Das sind seine Gedanken dazu:

Die Videospielreihe „Call of Duty: Modern Warfare“ zeigt seit jeher Szenen, die bewusst kontrovers sind. In „Modern Warfare 2“ spielt ein Level, wie der Protagonist als verdeckter Ermittler in einer russischen Terrorzelle agiert, die ein Flughafenterminal überfällt und Hunderte von Zivilisten ermordet. Der Protagonist, der vom Spieler des Spiels aus der Ich-Perspektive gespielt wird, ist gezwungen, sich an dem Morden zu beteiligen. Als ich das erste Mal das Spiel gespielte habe, habe ich meine Waffe gegen die Terroristen gerichtet, mit denen ich undercover unterwegs war, und fing an, sie zu erschießen. Das Spiel wurde durch eine erzwungene Cut-Szene unterbrochen, in der mein Charakter von den Terroristen niedergeschossen wurde.

Dies war kein Spiel wie „Deus Ex“, in dem man sich in moralisch grauen Zonen befindet und eine von vielen, mehrdeutigen Optionen wählen muss. „Call of Duty“ erzäht von moderner Kriegsführung und meint, wenn wir vorankommen wollen, dass wir uns auf das barbarische Niveau unserer Gegner begeben müssen, um zu gewinnen. Das Spiel zwingt dich, Menschen zu töten; es ist der einzige Weg, um zu gewinnen.

Als diese Woche der Trailer für die neueste Ausgabe der Serie „Modern Warfare“ erschien ist, hab ich ihn angeklickt und mir dabei die Frage gestellt, ob sich die Serie weiterentwickelt hätte. Überraschung, das hat sie nicht. Sie können sich den Trailer selbst ansehen, aber von Anfang an erfahren wir, dass es einen schmalen Grat zwischen richtig und falsch gäbe und dass unsere hochstilisierten SOF Operators in den Schatten geschickt werden, um diese Linie zu finden. Das ist eine unglaublich romantische Sicht auf Krieg und darauf, was moderne Anti-Terror-Maßnahmen eigentlich sind. Oder wie es einer meiner Freunde von der Spezialeinheit beschreiben könnte: „Du schaust nur in den Spiegel, während du dir einen runterholst.“

Der Erzähler des Spiels sagt zum Spieler: „Wir werden schmutzig und die Welt bleibt sauber, das ist die Mission.“ Unsere Helden machen sich ihre Hände in unserem Namen schmutzig, damit die freie Welt frei bleibt. Die Visuals des Spiels zeigen vertraute Szenen, die an den Überfall auf Bin Laden in Pakistan und Marines im Angriff auf eine Stadt im Nahen Osten erinnern. Eine weitere Szene scheint die Weißen Helme in Syrien zu zeigen, während andere aktuelle Terroranschläge in europäischen Städten wiederzugeben scheinen. Laut einem Artikel gibt es sogar eine Szene im Spiel, in der Operators ein Ziel überfallen und unbewaffnete Frauen niederstrecken, angeblich weil sie Teil einer terroristischen Zelle seien. Uns wurde sogar mitgeteilt, dass ein Teil des Spiels es erlaubt, als arabischer Soldat zu spielen, also  ein Hurra auf die #Inklusion, sag ich mal.

Seltsamerweise romantisiert das Spiel Special Operations und entwickelt gleichzeitig eine unglaublich nihilistische Erzählung. In „Call of Duty“-Games findet man weder viel Chauvinismus noch Hyper-Nationalismus. Die Operators (und die Spieler) kämpfen nicht „for God and Country“. Die Sache ist, dass du nicht wirklich weißt, wofür du kämpfst. „Call of Duty 2“ sagte uns wiederholt, dass die Gewinner die Geschichtsbücher schreiben, mit anderen Worten, Wahrnehmung ist also Realität. Infinity Ward’s neue Fortsetzung der Serie scheint diesen Trend mit Plot-Hooks und harten Sprüchen direkt aus den schlimmsten Bro-Vet-Mems im Internet fortzusetzen. „You need me on that wall. Strong men stand ready to do violence on your behalf,“ … so in etwa.

Zivile Oper: Weißhelme in Syrien spielen eine Rolle.

Das „für irgendetwas“ ist der schwierige Teil, denn während der Spieler in „Call of Duty“ mit Little Bird Hubschraubern über feindliches Gelände hinwegfegt, HALO springt und Feuergefechte mit dem Feind führt (Dinge, die ich selbst während meines Militärdienstes gemacht habe), stellt man sich die Frage, warum, oder was ist der Sinn? Als der Globale Krieg gegen den Terror angefangen hat, haben wir für die Freiheit gekämpft, um einen weiteren Anschlag vom Typ 9/11 zu verhindern und den dahinter stehenden Terroristen ein sicheres Hinterland zu nehmen, von dem aus sie operieren können. Siebzehn Jahre später und wir sind nicht einmal mehr an den Gründen interessiert, warum wir in einem Dutzend verschiedener Länder kämpfen.

Wie George Orwell geschrieben hat: „Wir waren schon immer im Krieg mit Eurasien“ Was das hervorgebracht hat, ist eine Form von amoralischem Nihilismus in einem bestimmten Teil unserer Jugend und auch Soldaten, die die moderne Kriegsführung heute als Kampf um des Kampfes willen betrachten. Sprich mit ihnen und sie werden dir sogar erklären, dass sie Teil der amerikanischen Kriegerklasse sind. Den spartanischen Kriegern von heute wird erzählt, dass sie kämpfen, weil es das ist, was Kämpfer tun.

Es schmerzt mich, als ehemaliger Soldat das zu sagen, der heute allemal ein pro-militär eingestellter Veteran ist. Ich unterstütze viele unserer Anti-Terror-Missionen im Ausland, aber ich hoffe, dass wir tatsächlich damit versuchen, etwas zu erreichen, und uns nicht nur einen runter holen wegen der geilen Waffen und dem geilen Gear für den Krieg. Töten ist manchmal notwendig und ist ein sozial legitimes Mittel, um ein Land und seine Kultur zu schützen, aber nicht, wenn wir nur aus Spaß töten.

Ästhetik des Anschlags: Terrorist mit Waffe springt auf Motorhaube.

Der sofortige Widerspruch zu meiner Meinung wird sein, dass die Leute sagen: „Aber Jack, das ist nur ein Videospiel!“ Ja, das ist wahr und es ist nichts falsch daran, ein Videospiel zu spielen und von ihm unterhalten zu werden. Wir dürfen aber auch nicht unterschätzen, welchen Einfluss Filme und Videospiele auf unsere Kultur haben. Millionen junger Menschen werden „Call of Duty“ spielen. Nur sehr wenige werden die vielen verfügbaren Bücher lesen, die ein differenzierteres Verständnis von Konflikten bieten, seien es vergangene oder aktuelle.

Sicher, es ist nur Unterhaltung. Aber Infinity Ward wird nie ein Spiel über Veterane produzieren, die heute mit PTSD in den Kliniken des Landes landen, weil sie drüben unbewaffnete Frauen erschossen haben. Es wird nie ein „Call of Duty“-Spiel über Chief Eddie Gallagher und das Drama geben, das er und seine Familie durchgemacht haben, während wir vor seinem Kriegsgerichtsverfahren stehen, in dem ihm Kriegsverbrechen im Irak vorgeworfen werden. „Call of Duty“ zeigt uns Alpha-Männer mit coolen Waffen und super Gear, verschweigt aber die tatsächlichen Kosten eines Krieges oder verherrlicht sie gleichzeitig als jenen Preis, den die Operators zahlen, wenn sie sich für ein größeres Wohl opfern. Alles wird zu einer zu einer oberflächlichen Erzählung mit Schafen und Schäferhunden verwoben.

Ich bin heute in der Lage, all dies rückblickend zu schreiben, ich bin 2002 der Armee beigetreten, die ich dann 2010 verlassen habe. Ich bin seit neun Jahren Zivilist und arbeite als Journalist über das Thema Special Operations. Ich war einer der Glücklichen, aber nun muss ich mich fragen, was einem Jugendlichen durch den Kopf geht, wenn er ein Spiel wie „Call of Duty“ spielt. Wie wenig wird das Narrativ dem ähneln, was er erfährt, wenn er tatsächlich im Kampf eingesetzt werden sollte. Außer dem Nihilismus natürlich …

Alles cool: Operator mit Zigarre und Nachtsichtgerät.

Den wird er im Überfluss finden wird.HIER geht es zu „Call of Duty: Modern Wafare“

JACK MURPHY  ist mit 19 Jahren und dem Ziel, Ranger zu werden, zur U.S. Army gegangen. Er hat im 3rd Ranger Battalion gedient und dann erfolgreich an der „Special Forces Assessment and Selection“ teilgenommen. Murphy hat in der 5th Special Forces Group gedient. 2010 hat er die Army verlassen und Politikwissenschaften studiert. Jack Murphy arbeitet als Journalist und Autor ist Managing Editor bei NEWSREP. 
JACK MURPHY im Internet: jackmurphywrites.com
NEWSREP im Internet: thenewsrep.com