Soldat sein ist eine körperliche Tätigkeit. Vor allem und zuerst geht es da um Fitness, wenn man nicht zurückfallen will. Im Bereich der Spezialkräfte reden die Amerikaner überhaupt vom „military athlete“. Dass es da eine besondere „Military Fitness“ geben muss, scheint klar. Torsten Schreiber, eine ehemaliger Kampfschwimmer-Ausbildner, hat nun ein einzigartiges Buch (HIER unsere Buchvorstellung dazu) herausgebracht, das erklärt, wie man militärisch topfit wird. Wir von SPARTANAT wollten von ihm wissen, was man dazu tun muss.

SPARTANAT: Torsten, du warst Kampfschwimmer. Wenn Du und wir über Fitness reden, was ist der gemeinsame Maßstab, von dem wir ausgehen können?

Torsten Schreiber: Fitness ist ein Begriff, der sehr unterschiedlich verwendet wird und von dem jeder seine eigene persönliche Vorstellung hat. Unter Fitness verstehe ich, in einer so guten körperlichen Verfassung zu sein, um sämtliche Anforderungen des Alltags mit Leichtigkeit erledigen zu können. Es sollte ebenso möglich sein, zwei Wasserkisten drei Stockwerke die Treppen hochzutragen ohne an seine persönlichen Grenzen zu kommen, wie auch eine Stunde mit seinem Kind Fußball zu spielen. Darüber hinaus ist Fitness auch die Fähigkeit der Muskulatur, die Knochen und Gelenke zu stützen und uns vor Schädigungen des Bewegungsapparates zu schützen, die durch mangelnde Bewegung immer mehr Einzug in unsere Gesellschaft erhalten haben. Dieser Fitnesszustand ist natürlich nicht von alleine vorhanden, aber es ist viel weniger zeitaufwändig, diese körperliche Verfassung zu erreichen, als man denkt.

SPARTANAT: Mit Deinem Buch über Military Fitness scheinst du einen Nerv getroffen zu haben. Was macht für Dich das „Military“ an der Fitness aus?

Torsten Schreiber: Das „Military“ an der Fitness ist vor allem die Art und Weise, wie das Training gestaltet wird. Ein Workout sollte intensiv sein, aber nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen, um es in den Alltag integrieren zu können. Trotzdem darf es nicht an Effektivität verlieren. Wer einen langen Arbeitstag hinter sich hat muss ebenso die Möglichkeit haben, sein Fitnesslevel zu steigern wie der Student, der seinen Tagesablauf weitestgehend frei gestalten kann. Auch beim Militär gibt es Phasen in der Ausbildung, die nur wenig Freiraum für sportliche Aktivitäten lassen. Dies ist beispielsweise bei Lehrgängen mit großem theoretischem Anteil der Fall. Trotzdem wird erwartet, dass das Fitnesslevel der Soldaten auf einem hohen Standard ist und bleibt.

Ein zusätzlicher Anspruch ist die geringe Anforderung an die Trainingsumgebung. Es ist kein Fitnessstudio nötig, um seine Ziele zu erreichen. Die Basis sind Übungen mit dem eigenen Körpergewicht und Geräte, die so handlich sind, dass sie fast überall verwendet werden können.

Des Weiteren unterscheidet sich die Zielsetzung des Military Fitness von anderen Sportarten. Hier geht es darum, ganzheitlich fit zu werden. Die Ausdauer soll ebenso gesteigert werden, wie die Kraft, Kraftausdauer, Schnelligkeit und die Beweglichkeit. Dies geschieht mit einem großen Spektrum an Sportarten, Übungen und Hilfsmitteln, die den Körper immer wieder auf eine neue Art belasten. Die Muskeln müssen auch das halten, was ihr Aussehen verspricht.

MilFit_Torsten_5SPARTANAT: Wenn Leute anfangen zu trainieren, was empfiehlst du ihnen zu machen?

Thorsten Schreiber: Da ich selbst seit Jahren Leistungssport betreibe, bin ich der Meinung, dass Trainingsanfänger immer einen Trainer oder versierten Trainingspartner dazu ziehen sollten. Dieser kann wertvolle Tipps bei der Ausführung von Übungen, Anwenden der richtigen Technik und Einhalten von Pausen geben. Es ist ebenfalls wichtig, sich einige grundlegende Fakten aus den Bereichen Trainingslehre und Ernährung anzueignen. Nur durch dieses Wissen lässt sich die Gefahr einer zu hohen Trainingsbelastung und daraus resultierende Verletzungen eindämmen. Die Ernährung ist wichtig, da sie einen entscheidenden Einfluss, unter anderem auf das Muskelwachstum, die Fettabnahme und die Regeneration hat. Sämtliche Aspekte sind in unserem Buch enthalten.

MilFit_Torsten_3SPARTANAT: Heutzutage scheitern viele an dem Level an Fitness, den man braucht, um bei den Spezialkräften zu landen. Ist dein Buch da ein Hilfe?

Torsten Schreiber: Absolut. Da unser Buch Military Fitness aus so vielen Komponenten besteht, die nicht nur die Kraft und Beweglichkeit fördern sondern auch im Bereich Laufen und Schwimmen mit wertvollen Trainingsplänen ausgestattet ist, erhält man hier eine sehr gute Grundlage, um auch bei den Spezialkräften bestehen zu können.

Desweiteren geben wir gute Tipps im Bereich Trainingslehre und Ernährung, die auf keinen Fall fehlen dürfen, wenn man sich intensiv mit seinem Körper beschäftigt. Wer sich optimal vorbereiten möchte, der kann in den nächsten Tagen auf der Seite KAMPFSCHWIMMER.DE Trainingspläne gezielt für die Kampfschwimmerausbildung herunterladen. Dort finden sie Krafttrainings- und Laufeinheiten aus dem Buch sowie spezielle Vorbereitungen für die Ausbildung.

MilFit_Torsten_2SPARTANAT: Wie viel muss man trainieren um Kampfschwimmerfit zu sein?

Torsten Schreiber: Falls sie darauf hinaus wollen, wie fit die Soldaten sein müssten, um als Kampfschwimmerschüler zu bestehen, hängt das in erster Linie vom persönlichen Fitnessstand ab.

Man muss auf keinen Fall ein Hochleistungssportler sein, um in Eckernförde bestehen zu können. Aber aus eigenen Erfahrungen als Ausbilder, muss ich sagen, wer sich im Bereich Laufen, Krafttraining und Schwimmen vernünftig vorbereitet, der hat eine reelle Chance.

Aber Vorsicht, Fitness ist nicht alles, denn die größten Gegner sind der innere Schweinehund und die Psyche. Denn nur die wenigsten wissen wie ihr Körper in Extremsituationen reagiert. Ein letzter Aspekt ist die Gesundheit. Egal wie fit man ist, wenn dein Körper häufiger von Verletzungen und Erkrankungen heimgesucht wird, ist es natürlich nicht möglich mehrere Monate an der Leistungsgrenze die Ausbildung zu durchlaufen.

MilFit_Torsten_1SPARTANAT: Letztendlich, ganz persönlich, was machst du alles sportlich?

Torsten Schreiber: Als Jugendlicher habe ich sehr viele Sportarten ausprobiert. Ich konnte mich nie richtig festlegen, weil ich alles gerne gemacht habe. Doch dem Schwimmsport bin ich über Jahre treu geblieben. Als ich bemerkte, dass ich auch ein ganz passabler Läufer war, würde die Idee Triathlon geboren.

Während meiner Dienstzeit habe ich etwas auf den Triathlon verzichten müssen, da es erstens andere Prioritäten gab und zweitens die Zeit fehlte, um eine 10-20 Stunden Trainingswoche zu absolvieren.

Aktuell bin ich seit ca. 5 Jahren wieder voll im Triathlonsport und demzufolge auch beim Krafttraining aktiv. Da das Krafttraining alle Sportarten ergänzt, insbesondere den Triathlon, trainiere ich das Kraftausdauer-, Stabilisations- und Koordinationstraining sowie explosives Krafttraining, wie es im Buch beschrieben ist. Zum Beispiel durch TRX oder Training mit dem eigenem Körpergewicht.

THORSTEN SCHREIBER, 35 Jahre, absolvierte zuerst eine Ausbildung zum Industriemechaniker nach drei weiteren Gesellenjahren wollte er  sich beruflich verändern und hat sich bei der Bundewehr beworben. Damals sei er durch ein Werbevideo auf die Kampfschwimmer aufmerksam geworden, erinnert er sich: „Das hat mich so fasziniert, dass ich sofort mit dem Training begann, um möglichst fit in die Ausbildung zu gehen. Der hohe Sportanteil und der Mythos Kampfschwimmer haben mich sehr gereizt.“

Er hat sich für zwölf Jahre verpflichtet und durchlief die Kampfschwimmerausbildung. Nach ca. zwei Jahren kam er in ein Einsatzteam der Kampfschwimmerkompanie. In den folgenden Jahren durchlief er dutzende Lehrgänge und Übungen, aber auch Auslandseinsätze waren dabei. Die letzten drei Jahre seiner Dienstzeit wurde er als Ausbilder in der Kampfschwimmerausbildungsinspektion eingesetzte, wobei er unter anderem für die Ausbildungsabschnitte Tauchen, Schießen, Landkampf und Sport zuständig war. Nach den 12 Jahren Bundewehr hat er sich bei der Feuerwehr beworben, wo er derzeit Dienst als Brandmeister auf einer Feuerwache verrichtet.

Sportlich hat er sich in den letzten Jahren immer ein Highlight pro Jahr neben dem Triathlon herausgesucht. Dazu zählten zum Beispiel: Tough Guy Run in England, Langdistanztriathlon in Glücksburg oder der ÖTillÖ in Schweden.

Vor vier Jahren hat er zusammen mit einem Freund den KSH-Schwansenman in Schleswig Holstein ins Lebens gerufen. Der Name rührt von dem Austragungsort der Halbinsel Schwansen. „Es ist ein Swim and Run Teamwettkampf auf Grundlage des ÖTillÖ in Schweden“, erzählt Torsten. „Natürlich eine sehr abgespeckte Form. Das Ziel ist es, ca. 13km zu Laufen und dabei vier Gewässer a 500m zu durchqueren. Hilfsmittel sind erlaubt, müssen allerdings bis ins Ziel mitgeführt werden. Bei Interesse besucht uns doch mal auf Facebook.