Vor etwa 100 Jahren kämpften europäische Armee vor Verdun. Stellungskrieg, massiver Artillerieeinsatz, 300.000 Tote. Vor Verdun hat das Wort „Schlachtfeld“ gezeigt, was es ist. Fast 100 Jahre später: die mächtigste Armee der Welt hat den Irak besetzt, der Krieg beginnt aber erst nach dem Sieg über die reguläre irakische Armee, ein Kleinkrieg, der für die US-Armee mit dem Abzug endete – und rund 4.500 Toten. Der zivile irakische „Bodycount“ liegt bei vermutlich 114.000 Toten.

Die Folgen: weiterer Terror, dschihadistischer Aufstand, Islamischer Staat … Von Flüchtlingen und der großen Wanderung nach Europa wollen wir ganz schweigen. Von einer Welt, die von Europa beherrscht wurde bis hin zu Supermächten, die im asymmetrischen Krieg ihre höchste Not erleben, spannt der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld den Bogen seines Buches „Gesichter des Krieges“. In äußerster Dichte rollt er die Militärgeschichte des letzten Jahrhunderts auf und zeigt gut erklärend, wie radikal der Wandel ist. Von Kriegsvorstellungen, die eigentlich aus dem 17. Jahrhundert kommen und den Staat in den Mittelpunkt stellen, über die Atombombe, die alles anders macht, bis hin zu jenen asymmetrischen Konflikten heute, in denen der Westen am liebsten keinen einzigen Toten hätte. (Drohnen und Roboter sollen Opfer vermeiden helfen, zumindest auf einer Seite.)

Creveld zeigt auch, dass Militärgeschichte, selbst wenn es um das Handwerk des Krieges geht, so viel mehr ist als nur kriegerisches Fachsimpeln und die politische, wirtschaftliche, technische Geschichte zentral ist um Zusammenhänge aufzuzeigen. Ein erhellendes und gut zu lesendes Buch, das mithilft aktuelle Probleme zu verstehen. Sollte in keiner Bibliothek eines militärisch interessierten Lesers fehlen.

Martin van Creveld auf SPARTANAT: Ein dreißigjähriger Krieg?Wie Daesch bekämpft werden soll

Martin van Creveld im Internet: www.martin-van-creveld.com

Gesichter des Krieges: Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute“ von Martin van Creveld, Siedler Verlag, 352 Seiten, Euro 17,76