Einsatzkräfte kämpfen sich durch, helfen Menschen, versuchen im Chaos Organisation entstehen zu lassen – und möglichst effizient Menschenleben zu retten. Richard Mund hat sich das rund um die Welt angeschaut. Das war sein persönlicher Einstig in das Thema: „Knapp ein Jahr nach der Tsunami-Katastrophe war ich mit einem Fernsehteam wieder in Sri-Lanka und Thailand unterwegs, um eine Dokumentation über den aktuellen Stand der Hilfsmaßnahmen zu machen, die nach der massiven Medienkampagne und der daraus resultierenden enormen Spendenbereitschaft mit Enthusiasmus und noch mehr Betroffenheit begonnen wurden. Wir trafen frustrierte Helfer und Betroffene, die immer noch nicht wussten, wie es eigentlich mit ihrem Leben weiter gehen sollte. Wir trafen Hilfsorganisationen die immer noch unter dem gewaltigen Druck standen, die riesigen Spendenbeträge möglichst schnell und sinnvoll für die Überlebenden des Tsunami auszugeben. Eine völlig unüberschaubare Menge von Akteuren hatte jegliche einigermaßen sinnvolle Koordination der Hilfsmaßnahmen ganz offensichtlich unmöglich gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass die betroffenen Helfer, die gutwilligen Hilfsorganisationen und auch die Überlebenden der Katastrophe zum gemeinsamen Opfer all der Klischees über internationale Katastrophenhilfe geworden sind, die derartige Medienereignisse immer wieder erneuern und verschlimmern. Während wir dort drehten, bebte die Erde im Kaschmir. Ich verabschiedete mich von den Fernsehjournalisten und flog direkt von Bangkok aus in das Erdbebengebiet. Der Kontrast zu dem, was ich wenige Tage zuvor in Sri-Lanka und Thailand gesehen hatte, hätte kaum krasser sein können. Nur wenige Organisationen waren im Kaschmir vor Ort. Auch die Medien waren so gut wie gar nicht präsent. Die Anzahl der Betroffenen war allerdings gut doppelt so hoch wie in allen vom Tsunami heimgesuchten Ländern zusammen. Die Hilfsorganisationen versuchten verzweifelt, an Spenden zu kommen, um den Überlebenden in den verschneiten Bergen helfen zu können. Diese Situation war wohl der Anfang zu diesem Buch. Es soll beschreiben, was in derartigen Situationen wirklich geschieht und was tatsächlich hinter den fettgedruckten Überschriften unserer Massenmedien steckt.“ Für uns ein komplett anderes Buch, das zeigt, was passiert, wenn der Ernstfall eintritt. Und das uns auch Einblick gibt, die man sonst kaum bekommt. SPARTANAT Leseempfehlung für Weihnachten!

Im Zentrum der Katastrophe: Was es wirklich bedeutet, vor Ort zu helfen“ von Richard Munz, 246 Seiten, Campus Verlag, 2007, Euro 22,–