Jeder, der sich aus beruflichen Gründen auf einen längeren Aufenthalt in Krisen/Kriegsgebieten vorbereiten muss, kommt nicht umher sich intensiv mit dem Thema einer möglichen Verwundung und ihrer Folgen zu beschäftigen. Dies gilt im Besonderen für Personenschützer, da diese sich bewusst in Gefährdungszonen aufhalten müssen.

Die international tätige Asgaard German Security Group GmbH führte vom 18. Okt. – 20. Okt. 2019 am Standort Mönkeberg in Horn-Bad Meinberg nun wiederholt ihren TCCC-Kurs Level I für taktische Verwundetenversorgung durch. Ausgebildet wird nach dem international gültigen „First Responder; M.A.R.C.H. – Drill Komplex“.

1993 als Forschungsvorhaben im U.S. Special Operations Command (USSOCOM) initiiert, hat das Tactical Combat Casualty Care (TCCC) -Konzept mit seinen innovativen Leitlinien belegen können, dass sich die Überlebenschancen Verwundeter in Gefechtssituationen deutlich erhöht haben. Mit TCCC ist grundsätzlich die Versorgung verwundeter Soldaten auf dem Gefechtsfeld gemeint, welche sich aber auch fast 1:1 auf die taktische Verwundeten-Lage bei einem Anschlag auf ein Personenschutz-Kommando übertragen lässt.

Tag 1: Theorie ist wichtig

Nach der kurzen Begrüßung und Einweisung in den Standort und den Ablauf, ging es auch schon direkt in die Materie. Die beiden Ausbilder „Hans und Franz“, welche selbst jahrelange Einsatzerfahrung und Wissen aus unzähligen Weiterbildungen mitbringen, eröffnen die Unterrichtung mit der Frage: „Wofür brauchen wir im Personenschutz TCCC?“ Nach zögerlichen Antworten schaltete „Hans“ den Beamer ein und zeigte eine Reihe von drastischen Videos und Bildern aus aktuellen Konfliktherden, die die blutige Realität von Anschlägen durch Ansprengungen und Beschuss mit Kriegswaffen zeigten: „Das sind Sie, ihre Schutzperson, oder ein Kamerad!“

Zu Beginn, im dreistündigen theoretischen Teil des Unterrichts, ging es um die Vermittlung von Grundlagenwissen wie: Anatomie, Blut- und Sauerstoffversorgung, sowie das Zusammenwirken des Organismus als Ganzes.

Im Folgeabschnitt war bis in den späten Abend der Focus auf das wichtige Oberthema „Blutungskontrolle mit Tourniquet“ gelegt worden. Ausbildungsgrundsatz hier: Vom Leichten zum Schweren, danach Drill. In immer wiederkehrenden Abläufen, und mit Lageeinspielungen gewürzt, erlernten die Teilnehmer, anfangs noch ohne Zeitvorgabe, das richtige, zügige Anlegen des Tourniquets an Armen und Beinen. Als Erfolgskontrolle ist bei den Teilnehmern der Puls abgetastet worden! Bereits hier fiel auf, dass die Ausbilder mit den Teilnehmern, die zum Teil schon selbst als Soldaten Erfahrungen aus Auslandseinsätzen mitbrachten, ungeschönten Klartext und auf Augenhöhe sprachen und dabei ihre Lehrinhalte immer wieder mit eigenen Berichten und persönlichen Einsatzerfahrungen unterstrichen. Der Effekt war, dass die Teilnehmer deutlich aufmerksamer wurden und sich der Unterricht plastischer und damit greifbarer gestaltete. Auch sind bei der Beschreibungen von Verwundungen immer wieder unterstützende Bildstrecken auf dem Laptop gezeigt worden.

Ab 20:00 Uhr ist dann endlich für den Lehrgang der Grill angefacht und der gemütliche Teil eingeläutet worden. Aber selbst hier konnten es sich die Ausbilder nicht verkneifen einige Mörser-Angriffe einzuspielen. Die Teilnehmer spulten jedoch das Erlernte souverän ab.

Tag2: Der Druck nimmt weiter zu

Der Samstag als „Großkampftag“ wartete mit einer straff geplanten Themenpalette auf die Teilnehmer. Um sich den Unwägbarkeiten der Einsatzrealität noch stärker anzunähern, sind alle Übungen ab diesem Morgen erschwerend in angedeuteter Einsatzkleidung, also mit Helm, Kampfmittelweste, Battlebelt und Waffen (Lang-/Kurzwaffe) durchgeführt worden. Dabei wurde den potenziellen, zukünftigen Operator auch gleich in die vom Asgaard-PSK verwendete Kleidung, Ausrüstung und Bewaffnung vorgestellt und kurz besprochen.

Nach einer wieder fordernden Wiederholung des am Vortag „bis zum Erbrechen“ durchexerzierten anlegen des Tourniquet, ging es direkt über zum „Woundpacking“. Nach kurzer Vorstellung des Verbands-Materials und der Einweisung in die verschiedenen Varianten, wurden in Einzelschritten die Funktion, Anlegetechnik und Wirkung auf der Wunde erklärt. Im Anschluss legte jeder Teilnehmer mehrere Verbände bei sich und einem Partner an. Dies wurde solange wiederholt bis der Ablauf bei Jedem sicher und flüssig saß. Alles unter den sehr kritischen Augen der Ausbilder. Jedem Teilnehmer wurde dafür umfängliches San-Material zur Verfügung gestellt, sodass er jederzeit mit „frischem“ Material üben konnte.

Ab Mittag dann sind die komplexen Themen Atemwegsmanagements bis hin zur Versorgung von Thorax-Verletzungen mit Entlastungspunktion (Nedle Decompression) durchgenommen worden. Anfangs noch an Üb-Puppen, später dann an den anderen Teilnehmern. Sobald die Grundlagen erkennbar von den Teilnehmern begriffen und umgesetzt wurden, spielten die Ausbilder eine Steigerung ein. Dann bauten sie das Erlernte in kleine Lageeinspielungen ein und achteten auch auf die Verwundeten-Betreuung, Vermeidung von Auskühlung und den taktischen, aber schonen Abtransport des Verwundeten und den Umgang mit den Waffen.

Gegen Abend und damit zunehmender Dunkelheit sind die Lageeinspielungen dann noch weiter verschärft worden, indem der gesamte Ablauf nur noch beim minimalen Schein der Stirnlampen der Männer erfolgte. Die Lehrgangsteilnehmer waren fokussiert und die Bereitschaft sich einzubringen und zu lernen erkennbar hoch. So liefen die Abläufe zusehends schneller und präziser ab. Ein Durchgang folgte auf den Anderen. Erst nach 22:00 Uhr kam vom Ausbilder das Erlösende: „Ich bin zufrieden, wir machen für Heute Dienstschluss.“ Damit endete ein sehr fordernder 14 Stunden Ausbildungstag.

Tag 3:Intensives Lagetraining im Gruppen-Rahmen

Ein ungemütlicher Sonntag-Morgen begrüßte die Lehrgangsteilnehmer mit kaltem Nebel und Regen. Nach dem obligatorischen Anlegen der Ausrüstung, Übernahme der Waffen und kurzer Einweisung in das Lagebild ging es auch schon los. Bei den aufwändig und kreativ gestalteten Üb-Wunden kam vorgefertigtes, aber auch selbst erstelltes Material zur Anwendung. Es floss reichlich Kunstblut.

Lageeinspielung 1: Das Unterkunftsgebäude der Schutzperson wurde von mehreren Mörsergranaten getroffen und stand in Flammen. Bereits im stark verqualmten Treppenhaus hörten die Personenschützer laute Schmerzensschreie und fanden im ersten Raum die Schutzperson mit abgerissener Hand und stark blutender Brustwunde. Da das Gebäude ohnehin stark verqualmt war und im Umfeld immer noch starkes MG-Feuer zu hören war, gab der Kommando-Führer den Befehl den Verletzten zu evakuieren und erst in einer nahen Deckung mit der Erstversorgung zu beginnen.Lageeinspielung 2: Auf einer Fahrt durch die Stadt, hatten Attentäter mit einem inszenierten Verkehrsunfall den Konvoi der Schutzperson zum Stehen gebracht und dann eine Bombe zur Explosion gebracht. Der Fahrer des Schutzfahrzeugs lag mit schweren Verbrennungen und einer Splitterwunde am Kopf hinter seinem Lenkrad. Zusätzlich blutete er aus einer Wunde auf der Brust. Die Lageeinspielung sah nach der Versorgung eine Evakuierung per Hubschrauber vor. Hier hatten die Ausbilder auch ein Übergabegespräch mit dem Rettungssani in Englisch simuliert.

Von den Ausbildern kam die Ermahnung an die Teilnehmer: „Männer, denkt nicht in Musterlösungen, sondern macht euren Verstand auf und betrachtet die Verwundeten-Lage immer wieder neu“!!

Lageeinspielung 3: Das PSK begleitete die Schutzperson zu einem öffentlichen Fototermin. Vorort bringt einer der Fotografen einen Sprengstoffgürtel zur Explosion. Die Schutzperson wurde durch die Wirkung der Bombe so stark verletzt, dass sie nach ca. 30 Sekunden verstarb.

Das Besondere an dieser Lageeinspielung war, dass die Ausbilder bei Asgaard bewusst vom üblichen Lehr-Schema abwichen, wo dem Teilnehmer ein sog. „Gottes-Gen“ verpasst wurde, so dass alle Verwundeten am Schluss immer gerettet wurden. Das ist aber eben nicht die Realität.

In diesem Abschnitt konnten die Lehrgangsteilnehmer nach vergeblichen Versuchen eben nur noch den Tod des Verwundeten feststellen. Hier blieb nur noch die Bergung und würdevolle Verbringung des Leichnams.

Der Focus der gesamten TCCC-Ausbildung lag auf den drei Phasen (Care under Fire, Tactical Field Care und Tactical Evacuation Care) und verlangte von den Lehrgangsteilnehmern u.a. die Umsetzung lebensrettender Sofortmaßnahmen, diverse weitere medizinische Fertigkeiten und Strategien.

  • Feuerüberlegenheit herzustellen
  • VIP/Kameraden aus der Gefahrenzone retten
  • Evaluation der Verwundeten in der Deckung
  • AVPU-Schema (alert, voice, pain, unresponsive)
  • Blutstillung mittels Tourniquet
  • Blutungskontrolle mit Druckverband
  • Atemwegsmanagement
  • Verbringungstechniken
  • Übergabegespräch mit den externen Rettungskräften, evtl. Hubschrauber in Englisch
  • Die Mission zu Ende bringen.

Die Asgaard GSG bietet mit seiner angepassten Version des internationalen TCCC-Kurses einen modernen Standard für realistische Verwundetenversorgung an. Der für 3 Tage straff getaktete Stundenplan geht fachlich sehr in die Tiefe und orientiert sich „gnadenlos“ an der brutalen Einsatzrealität in den Krisenländern. Auch sehr zu empfehlen für Polizisten, Journalisten und Mitarbeitern von Hilfsorganisationen!

Dieses ursprünglich nur für die eigenen Mitarbeiter konzipierte Ausbildungskonzept steht nun ab Januar 2020 auch allen anderen Interessierten unter: asgaardgroup.de offen. Das Verhältnis Ausbilder zu Teilnehmern wird dann 1:4 betragen. Teilnehmer die Level I + II als Paket buchen, erhalten 10% Rabatt auf den Gesamtpreis. Anmeldungen ab sofort möglich unter: info@asgaardgroup.de

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ASGAARD GSG in Internet: www.asgaardgroup.de