Du sollst ihre Namen nicht nennen. Einverstanden, es sei so. Natürlich ist es ein Teil der Erwartung von Attentätern und Amokläufern, dass sie durch ihre Untat berühmt werden, selbst zum Preis, dass sie dann tot sind Jeder Arsch mit psychischen Problemen kann so bedeutungsvoll Selbstmord begehen, indem er seinem Problem eine terrrostische Religion oder Ideologie umstülpt. Den Namen nie zu nennen, ihre Verbrechen nicht aufbauschend zu berichten, das nimmt ihnen allerdings Motivation und gibt auch wenig Nachahmungstäter (die zum Teil wohl euch eine Folge der sensationsgeilen Medien sind). Aber dass der Attentäter auf die österreichische Kaiserin Sisi – Luigi L. – von vor 100 Jahren nun keinen Nachnamen mehr hat, man kann es auch übertreiben.

Aber ansonsten ist „Von Hass erfüllt“ ein extrem spannendes Buch. Vor allem auch, weil es sich in lauter kleine Kapitel herunterbricht, in denen es um Islamisten, aber auch um Rechts- und Linksextremisten geht. Was lässt Menschen zu Terroristen oder Amokläufern werden, hier sind ein paar kompakte Antworten, die ein Kriminalpsychologe und ein Gewaltforscher gemeinsam geben. Da ist Andreas B(revik), da sind deutsche Konvertiten, die nach Syrien zum Dschihad-Kämpfen gehen, da sind Amokläufer wie der Münchner Iraner mit einem rechtsxtrem aufgeladenen US-Schulamokläuferkult, der zeigt wie komplex Motivationsmuster vor einer Wahnsinnstat sein können. Die Autoren versuchen auch Weg zur Prävention aufzuzeigen, die Menschen, die sich radikalisieren noch abholen, bevor sie ein Verbrechen begehen können. Insgesamt eine spannende Lektüre an ein Thema, das höchst aktuell ist.

Von Hass erfüllt: Warum Menschen zu Terroristen und Amokläufern werden“ von Jens Hoffmann und Nils Böckler, München 2018, mag Verlag, 224 Seiten, Euro 16,99 (Taschenbuch), Kindle 12,99