Manchmal haben wir die falsche Vorstellung. Das liegt daran, dass wir an das denken, was wir kennen. Zum Beispiel an unsere Vorstellung von einer Gegend wie dem „Nahen Osten“. Wir meinen zu wissen, welche Staaten da neben welchen liegen und was die Ordnung der Dinge ist.

Dann kommen aber historische Ereignisse, die alles durcheinander Würfeln. Herrscher wie Gadaffi oder Saddam Hussein verschwinden, andere wie Bashar al Assad behaupten sich. Aus scheinbar funktionierenden Staaten werden Ruinen – Irak und Libyen –, Grenzen fallen – zwischen Syren und Irak. Eine revolutionäre Bewegung wälzt einen ganzen Raum um (weniger der künstliche Arabische Frühling, als vielmehr eine islamistische Revolution, für die der Arabische Frühling nur ein Durchlauferhitzer war, der die Sehnsüchte des Westens nach Demokratie befreidigt hat). Volker Perthes zeigt übersichtlich, wie sich der Nahe Osten in Bewegung setzt und liefert aufklärende Happen, die unser Informationsdefizit zu dem, was da passiert, etwas mindern und dem geopolitischen Verständnis der Region auf die Sprünge helfe.

Sehr lesenswert, auch wenn man den Eindruck hat dass Perthes den Islamischen Staat etwas unterschätzt.

Das Ende des Nahen Ostens, wie wir ihn kennen: Ein Essay (edition suhrkamp)“ von Volker Perthes, Edition Suhrkamp, 144 Seiten, Euro 14,–